Mi 22.10.

Karl der Grosse     Zürich

20:00 – 21:15

Ilija Trojanow und «Das Buch der Macht» – eine erschreckend aktuelle Anleitung

 

Der gebrechliche Wesir des Osmanischen Reichs gibt seinem Nachfolger die Strategien des Herrschens weiter. Diese Strategien kommen uns erschreckend aktuell vor, die Beispiele lesen wir tagtäglich in den Medien. Ilija Trojanow unterhält sich mit Sylvia Sasse über das Wesen der Macht.

Stojan Michailowskis Grossgedicht «Buch für das bulgarische Volk» entstand 1897. Trojanow hat diese bitterböse Satire nacherzählt. Und er stellt dem Text einen Chor von Beobachtern des Herrschens zur Seite. So kommentieren Heinrich von Kleist, Arthur Schopenhauer, William Shakespeare oder Frank Zappa die Lektionen des Wesirs. Ilija Trojanow: «Zeitgenössische Leserinnen werden Parallelen zwischen den beschriebenen Praktiken und Taktiken sowie der gegenwärtigen Malaise weltweit erkennen. (…) Bei dem ausführlichen Kapitel, das sich den Facetten der Korruption widmet, musste ich etwa an die Skandale um die Maskengeschäfte während der Corona-Pandemie denken.» Dem Schweizer Publikum werden auch die kürzlich bekanntgewordenen Skandale um die Ruag in den Sinn kommen. Sylvia Sasse ist Professorin für Slavistische Literaturwissenschaft und Mitbegründerin des Zentrums Künste und Kulturtheorie (ZKK) an der Uni Zürich. In «Verkehrungen ins Gegenteil» schreibt sie über Subversion als Machttechnik.

Ilija Trojanow

Ilija Trojanow wurde 1965 in Bulgarien geboren. 1971 flohen seine Eltern mit ihm über Jugoslawien und Italien nach Deutschland, wo sie in München politisches Asyl erhielten. Ein Jahr später zog die Familie nach Kenia, wo sein Vater als Ingenieur arbeitete. Von 1972 bis 1984 lebte Ilija Trojanow in Nairobi – unterbrochen von einem dreijährigen Aufenthalt in Deutschland (1977–1981). Nach einem längeren Besuch in Paris studierte er von 1984 bis 1989 Jura, Ethnologie und Havarie an der Maximilians-Universität in München. Es folgten Aufenthalte in Mumbai und Kapstadt, heute lebt er in Wien. Trojanow ist Autor zahlreicher Bücher; mit «Eistau» war er Gast an der Eröffnung der ersten Ausgabe von «Zürich liest» 2011.
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Sylvia Sasse

Sylvia Sasse ist Professorin für Slavistische Literaturwissenschaft und Mitbegründerin des Zentrums Künste und Kulturtheorie (ZKK) an der Universität Zürich sowie Herausgeberin des Onlinemagazins «Geschichte der Gegenwart». Aktuell forscht sie zum Verhältnis von Künsten und Desinformation im Kalten Krieg und in der Gegenwart. Ihre Forschung führt sie regelmässig in die ehemaligen Geheimdienstarchive Osteuropas. Gemeinsam mit Inke Arns und Kata Krasznahorkai kuratierte sie am HMKV Dortmund eine Ausstellung über «Artists & Agents. Performancekunst und Geheimdienste», die 2020 von der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbands (AICA) als «Ausstellung des Jahres» ausgezeichnet wurde.

Sprache:

Deutsch

Wahlpreis:

CHF 35.00, CHF 25.00, CHF 15.00

 

Die Vorstellung ist ausverkauft!

Veranstaltungsort:

Karl der Grosse
Kirchgasse 14
8001 Zürich
Karl der Grosse ist ein Debattierhaus mit Bistro im Parterre und historischen Räumlichkeiten mitten in der Zürcher Altstadt. Während «Zürich liest» finden hier zahlreiche Veranstaltungen statt und auch das Festivalzentrum ist hier untergebracht.

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