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Zwei Fragen an Edith Löhle
Wir haben der Autorin Edith Löhle zwei Fragen zu ihrem neuen Buch «Kurzer Prozess» gestellt. Ihre spannenden Antworten finden Sie hier. Live ist sie am 25. Oktober im Karl der Grosse.
In deinem neuen Roman «Kurzer Prozess» stehen die Held:innen unserer Kindheit vor Gericht. Welche Ikonen waren für dich schwierig kritisch zu betrachten?
Zum Beispiel wollte ich Miss Piggy so gern als feministische Ikone sehen – klar, überzeichnet als Diva. Aber die genauere Betrachtung mit Erwachsenenaugen hat mir auch ihre Übergriffigkeit bewusst gemacht. Sie geht unmöglich mit Kermit um. Als Kind habe ich über ihren Karate-Handkantenschlag gelacht. Heute erkenne ich obendrein ihre emotionale Gewalt.
Ich habe natürlich immer noch ein Herz für Miss Piggy. Wie alle Figuren in meinem Buch behandle ich sie mit einem satirischen Augenzwinkern – aber eben auch als Erwachsene, die sich fragt: Was haben wir da eigentlich gelernt?
«Kurzer Prozess» regt dazu an, über Moral nachzudenken. Hat das Schreiben des Romans deine eigenen moralischen Überzeugungen ins Wanken gebracht?
Aus meiner Berliner Bubble muss ich gestehe: Ich sitze manchmal auf einem ziemlich hohen Moralross. Das Schreiben dieses Satire hat mich davon ein Stück weit heruntergeholt, weil es mir bewusst gemacht hat, dass man selbst bei der noch so herzigen Figur moralische Leichen im Keller finden kann.
Unsere Zeit ist in dieser Hinsicht herausfordernd: Sie fordert klare Kante und verkürzt dabei oft den Kontext. „Kurzer Prozess“ ist auch ein Versuch, zu unterscheiden: zwischen einer Handlung, die ich falsch finde, und einem Menschen, den ich deshalb nicht gleich als unmoralisch abstemple.
Bild: © Philip Nürnberger
