Aktuelles
Fokus «Schwindel»
2026 hat «Zürich liest» das Fokusthema «Schwindel».
Letztes Jahr hat sich «Zürich liest» einen Fokus gesetzt, der eine Weltlage voller Krisen, Umbrüche und Unsicherheiten widerspiegelte. Ein Literaturfestival trotz und gerade wegen all dem, was auf der Welt und um uns herum geschieht. Das beschäftigt uns auch dieses Jahr. Doch während das vergangene Jahr noch von Zuversicht und Tatendrang geprägt war, scheint sich nun ein anderes Gefühl auszubreiten, angeführt von der Frage: Wie weiter? Wie Kunst und Literatur machen, wie Widerstand leisten in einer Gegen wart, in der ein Krieg nach dem anderen ausbricht, wir immer weniger wissen, welchen Informationen wir trauen können, und es sich anfühlt, als könnte der Boden unter unseren Füssen jederzeit ins Schwanken geraten?
Erschöpfung. Überforderung. Unsicherheit.
Als wir im Februar als Programmkommission zusammen kamen, waren diese Gefühle sofort präsent, und wir merkten schnell, dass wir ihnen mehr Raum geben wollten. Raum für Diskussion, Reflexion und Zweifel, für kritische Fragen und gemeinsames Weiterdenken. Daraus entstand das diesjährige Fokusthema: «Schwindel». Schwindel sowohl als Zustand des Taumelns angesichts des aktuellen Weltgeschehens als auch als Täuschung, als Lüge, als allgegenwärtige Frage: Was ist wahr?
Die Autor:innen, die wir dieses Jahr zum Festival eingeladen haben, spüren diesen Fragen in ihren Werken nach. Sie schreiben über Halbwahrheiten, Unwahrheiten und verdrehte Wahrheiten. Sie zeigen, was geschieht, wenn Menschen sich selbst und andere täuschen, aber auch, was es bedeutet, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken und für sie einzustehen.
Es sind Texte, zwischen Halt und Haltlosigkeit, die die Welt ins Taumeln bringen, aber auch neue Perspektiven eröffnen. Es sind Texte, die Hoffnung machen, Empathie schaffen und durchs Erzählen Widerstand leisten. Vor allem aber sind es Texte, die dazu ermutigen, nicht aufzugeben, das Schwindel gefühl auszuhalten, einander zuzuhören, weiterzulesen und dem Strudel der Wahrheit gemeinsam auf den Grund zu gehen.
In der Welt schwindelt’s – und uns ist schwindelig. Lassen wir uns davon nicht lähmen. Bleiben wir in Bewegung. Taumeln wir gemeinsam!
Einen herzlichen Dank an Migmar Dolma, Michelle Akanji und Sarina Tharayil für ihre inspirierenden und wertvollen Inputs, ihre Energie und ihr tatkräftiges Engagement.