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Zwei Fragen an Nadia Brügger und Valerie-Katharina Meyer

Wir haben den Autorinnen Nadia Brügger und Valerie-Katharina Meyer zwei Fragen zu ihrem neuen Buch «Widerstand und Übermut» gestellt. Ihre scharfsinnigen Antworten finden Sie hier. Live sind sie am 22. Oktober im Rehböckli zu erleben.

 

Euer neues Buch «Widerstand und Übermut» holt Schweizer Autorinnen der 1970er-Jahren aus der Vergessenheit zurück und legt dabei eine feministische Praxis frei – Gründung von Verlagen, kollektives Schreiben. Was lässt sich für gegenwärtigen Widerstand daraus lernen?

Frauen – damals wie heute – prägten immer ihre eigenen Formen des Widerstands. Gerade diese eigenständigen Ansätze ermöglichten oftmals das Entstehen von Neuem: Neue Formen der Zusammenarbeit, der Wissensproduktion, andere Formen des Zusammenlebens. Von diesen damaligen kollektiven Beweggründen können wir heute noch viel lernen, wenn wir uns beispielsweise fragen, wie wir uns – auch über Differenzen hinweg – verbünden wollen oder wie es gelingt, dass von feministischen Bestrebungen möglichst viele Menschen profitieren.

Auch von den literarischen Texten der 1970er Jahre lässt sich lernen: Viele Debatten, die wir heute führen, sind ja nicht neu. Wir bauen auf dem auf, was unsere Vorgängerinnen gedacht, geschrieben und getan haben, oftmals viel radikaler als wir es heute tun. Für uns ist das ein wesentlicher Bestandteil feministischer Praxis: andere und ihre Ideen sichtbar zu machen und darauf aufzubauen, Wissen miteinander zu teilen. Es geht ja darum, gemeinsam weiterzukommen. Bei Gertrud Wilker heisst es: «Zusammen/ Gelingt uns eines Morgens/ der Abflug.»

 

Was müsste heute anders laufen, damit das literarische Vergessen sich nicht wiederholt?

Zuerst müssen die Bücher dieser Autorinnen weiterhin und wieder auf dem Buchmarkt erhältlich sein. Es braucht Neuauflagen und erstmalig veröffentlichte Textsammlungen, wie beispielsweise «Fern von hier» von Adelheid Duvanel. Natürlich ist es auch wünschenswert, dass die Texte der Autorinnen an Schulen und Universitäten gelesen werden, dass sie für Fragestellungen herangezogen werden, die seit den 1970ern aufgeworfen und bis heute nicht erledigt sind: zum Beispiel, wie Fürsorgearbeit aussieht, wenn sie nicht als Privatsache gedacht wird.

Vor allem aber braucht es ein geschärftes gesellschaftliches Bewusstsein dafür, dass Texte von Autorinnen nicht zufällig dem Vergessen überantwortet werden, sondern dahinter strukturelle Ursachen liegen. Aus der langen patriarchalen Tradition, dass dem literarischen Werk von Frauen mit Geringschätzung begegnet wird, müssen wir uns Stück für Stück befreien.

 

 


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